Erste Hilfe leisten ist unter „Normalbedingungen“ scheinbar schon schwer, in Corona-Zeiten mutet sie jedoch noch schwieriger an. Nach wie vor gilt der Grundsatz „PrĂŒfen – Rufen – DrĂŒcken“. Obwohl die Angst vor einer möglichen Ansteckung groß ist, gibt es in Wirklichkeit Möglichkeiten zu helfen, ohne sich dabei selbst zu gefĂ€hrden. „Um das Infektionsrisiko zu minimieren, kann die Wiederbelebung modifiziert werden“, beruhigt Dr. Heiner Ruschulte, Chefarzt der Klinik fĂŒr AnĂ€sthesie und Intensivmedizin am Sana Klinikum Hameln-Pyrmont.

 

Viel zu oft wird zu spÀt medizinische Hilfe in Anspruch genommen
Leider beobachten die Notfallmediziner derzeit einen Anstieg der Herz-Kreislauf-StillstĂ€nde, da oft viel zu spĂ€t medizinische Hilfe in Anspruch genommen wird und gleichzeitig die Hilfsbereitschaft sinkt. „Bitte keine falschen Hemmungen“, appelliert Dr. Ruschulte, der betont, dass es am gefĂ€hrlichsten ist, nichts zu tun. Viele Ersthelfer befĂŒrchten, sich bei den Wiederbelebungsmaßnahmen anzustecken. Um diese Angst zu nehmen, wurden die Handlungsanweisungen geringfĂŒgig, aber wirkungsvoll modifiziert.

„Die ĂŒbliche Reihenfolge ‚PrĂŒfen – Rufen – DrĂŒcken‘ bleibt zwar gleich, in ihrem Ablauf allerdings sinnvoll ergĂ€nzt“, erklĂ€rt Dr. Ruschulte. Man könne es nun so ausdrĂŒcken: „Im begrĂŒndeten Verdachtsfall vorsichtig prĂŒfen – bereits im geringsten Zweifelsfall Hilfe rufen – und sich selber mit Mund-Nasen-Schutz schĂŒtzen und drĂŒcken“. Hat man sich bei der ÜberprĂŒfung der Atmung vorher noch nah zum Gesicht gebeugt, um diese zu ĂŒberprĂŒfen, sollte man sich nun auf die Beobachtung des Brustkorbes nach Überstrecken des Nackens konzentrieren. Hebt und senkt sich dieser, ist eine Atmung vorhanden. Ist dies nicht der Fall, folgt der nĂ€chste Schritt.

Besser die 112 wÀhlen
„Ist keine Brustkorbbewegung erkennbar, sofort den Notruf unter 112 wĂ€hlen – auch im Zweifelsfall“, informiert Dr. Ruschulte weiter, „dann beginnen Sie mit der Herzdruckmassage, am besten mit Mundschutz“. Eine Atemspende empfehlen die medizinischen Fachgesellschaften generell nicht mehr und kann vor allem in Corona-Zeiten unterbleiben.

Dr. Ruschulte: „In Corona-Zeiten darf die allgemeine Hilfeleistung nicht sinken, deshalb heißt das Mantra auch weiterhin prĂŒfen – rufen – drĂŒcken, nur eben mit Eigenschutz.“