Mit Sorge erwarten Millionen Muslime weltweit den Ramadan, der Ende April beginnt. Wie der Fastenmonat in diesem Jahr ablaufen wird, ist wegen der Corona-Pandemie unklar. Nun kursiert in sozialen Netzwerken eine Information, die angeblich aus dem “Krisenzentrum für Berlin und Brandenburg” stammt: Falls zu Beginn des Ramadans “die Ausgangsbeschränkung noch gilt”, gebe es eine Sonderregelung “nur für Menschen mit muslimischen Glauben” [sic]. (http://dpaq.de/MFtFT)

BEWERTUNG: Es gibt kein gemeinsames Krisenzentrum für Berlin und Brandenburg. Der Zentralrat der Muslime geht davon aus, dass die Moscheen zu Beginn des Ramadan geschlossen bleiben müssen. Ob der Fastenmonat überhaupt stattfindet, ist offen. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie gelten für alle Religionen gleichermaßen.

FAKTEN: Der islamische Fastenmonat Ramadan soll in diesem Jahr am 23. April mit der abendlichen Iftar beginnen, der täglichen Feier des gemeinsamen Fastenbrechens. Dazu versammeln sich normalerweise Familien und Freunde in größerem Kreis und essen gemeinsam. Bis zum 23. Mai dürfen gläubige Muslime dann von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang keine Nahrung zu sich nehmen.

All das wird in diesem Jahr wohl nicht in gewohnter Form stattfinden. Ägypten untersagte bereits Tafeln zum Fastenbrechen, an denen arme Menschen normalerweise kostenlos essen können – um das Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 zu verringern (http://dpaq.de/zVOc7).

Doch nicht nur das gemeinsame Feiern, auch das Fasten könnte dazu führen, dass mehr Menschen durch das Virus erkranken. Kranke sind ohnehin von der Fastenpflicht ausgenommen, sollte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auch Gesunden davon abraten, mit dem Essen und Trinken zu pausieren, könnte der Ramadan verschoben werden, berichtet die “Tagesschau” (http://dpaq.de/EjG69).

Auch die rund fünf Millionen Muslime in Deutschland werden betroffen sein. Bund und Länder beschlossen am 16. März drastische Einschränkungen, um die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland zu bremsen. Unter anderem wurden “Zusammenkünfte in Kirchen, Moscheen, Synagogen und die Zusammenkünfte anderer Glaubensgemeinschaften” untersagt. (http://dpaq.de/IN99Y)

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz, stellte am 7. April bei Twitter noch einmal klar: “Selbstverständlich gilt das für alle Religionen. Ob Ostern, Pessach oder Ramadan: Ich verstehe gerade jetzt den Wunsch nach dem gemeinsamen Gebet & Gemeinschaft. Trotzdem sollten wir aktuell zum Wohle aller darauf verzichten, denn Gesundheit geht vor.” (http://dpaq.de/Ps4rf)

Die aktuellen Kontaktbeschränkungen bleiben zunächst bis zum 19. April bestehen. Am Dienstag nach Ostern werden Bund und Länder die Lage erneut bewerten und die Beschränkungen gegebenenfalls verlängern, teilte die Bundesregierung mit (http://dpaq.de/Fjxdw).

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, geht davon aus, dass die Moscheen auch zu Beginn des islamischen Fastenmonats geschlossen bleiben. “Zur Zeit ist es noch verfrüht, genaue Angaben zu Ramadan zu machen, aber es steht traurigerweise zu befürchten, dass wir die Moscheen geschlossen halten müssen, zumindest für ein Teil des Heiligen Monats”, sagte er der “Berliner Morgenpost”  (red)