Hameln-Pyrmont. Die einen setzten auf Sicherheitsdienste, die anderen auf Eigenverantwortung. Was in den St√§dten zum Problem wird, betrachten die Superm√§rkte in l√§ndlichen Bereichen gelassen. Sich um Toilettenpapier zu pr√ľgeln? Kommt im Weserbergland bisher nicht vor.

Polizeieinsatz f√ľr Klopapier

Im nordrhein-westfälischen Bergneustadt tragen Polizeibeamte eine Frau aus einem Laden, weil sie mehr Toilettenpapier kaufen wollte, als dort erlaubt war. In Kiel klaut ein Dieb sechs Pakete Klopapier aus einem Fahrzeug und verursacht damit mehr Sachschaden am Auto als seine Beute wert war. Aus Furcht, zu wenig Toilettenpapier zu bekommen, ohrfeigt eine Frau in Frankfurt eine Verkäuferin. Vorfälle, die Erklärungen erfordern.

Abstände geregelt

Die aktuellen Polizeimeldungen von heute beunruhigen nicht nur die Kunden, sondern vielmehr die Verantwortlichen in den Einkaufsm√§rkte, die √∂ffnen d√ľrfen und deren Mitarbeiter in vorderster Front stehen. W√§hrend die meisten Lebensmittelm√§rkte √ľberwiegend auf dem Boden auf Abstandsregeln hinweisen, oder nur Kunden mit Einkaufswagen Einlass gew√§hren, gilt besonders im st√§dtischen Bereich, nur eine eingeschr√§nkte Anzahl an Kunden in den Markt zu lassen.

Wer zu unterschiedlichen Zeiten einkaufen geht, stellt fest, dass Marktangestellte beim Regale einr√§umen auch noch l√§cheln k√∂nnen und Kunden das Ben√∂tigte entspannt besorgen. Abst√§nde einzuhalten, haben wir in Deutschland gelernt, seit dem 16. M√§r. Leere Regale f√ľr eine gewisse Zeit zu ignorien, f√§llt aber vielen noch schwer. Doch wo Regeln nicht beachtet werden, stehen Sicherheitskr√§ften bereit, und sorgen daf√ľr, dass sich die Kunden benehmen.

Der Reiz zum Hamstern

Psychologisch erkl√§ren kann das Horten von Dingen, jemand wie Gerd Gigerenzer. Der Psychologe erkl√§rt gegen√ľber dem Stern, wenn Menschen sehen, dass andere sich f√ľrchten und hamstern, l√∂se dies Angst bei ihnen aus und den Reiz, selbst zu hamstern. Was sie aber hamstern, h√§nge von ihrer Kultur ab: W√§hrend die Amerikaner Waffen kaufen, zeigen die Franzosen eine Vorliebe f√ľr Rotwein und die Deutschen und √Ėsterreicher f√ľr – Toilettenpapier.

Der schwedische Konzern Essity stellt an sieben Standorten in Deutschland Toilettenpapier her. Der Bedarf ist seit Wochen um 700 Prozent gestiegen. In einem Interview kl√§rt Werkleiter Roger Schilling auf: ‚ÄěEs ist genug da und es wird laufend nachproduziert‚Äú.  Es sei eher die Belieferung, die auf Grund der derzeit hohen Nachfrage stocke. Wobei eine vierk√∂pfige Familie ohne Probleme mit einer Packung in der Woche auskomme. Es ist eben eine mathematische Frage. (gla)