In einem Interview mit dem NDR bezog der Vater des M├Ądchens, welches auf dem Campingplatz in L├╝gde bei dem Hauptverd├Ąchtigen gelebt hat, erstmals Stellung und machte dem Landkreis Hameln-Pyrmont Vorw├╝rfe. Nun ├Ąu├čert sich der Landkreis zu diesen Vorw├╝rfen in einer Stellungnahme:

– Der Kindsvater habe die Vaterschaft nicht anerkannt, diese sei vielmehr vom Amtsgericht im Rahmen eines Vaterschaftsfeststellungsverfahrens per Beschluss festgestellt.

– Der Kindsvater habe zu keinem Zeitpunkt ein Umgangsrecht oder das Sorgerecht f├╝r seine Tochter beantragt.

– Unterhaltszahlungen habe der Kindsvater zu keinem Zeitpunkt geleistet. Die Sicherstellung des Lebensunterhaltes des Kindes sei von Geburt an durch Unterhaltsvorschussleistungen des Jugendamtes erfolgt.

– Nachdem der Kindsvater nach der Geburt zun├Ąchst regelm├Ą├čige Besuchskontakte gehabt habe, wurden diese in den folgenden Jahren zunehmend unregelm├Ą├čiger. Seit 2014 w├╝rde es in den gef├╝hrten Akten keinen Hinweis mehr auf Besuchskontakte zwischen Vater und Tochter geben.

– Aus den gef├╝hrten Akten ergebe sich kein Hinweis darauf, wonach sich der Kindsvater, insbesondere im Jahr 2016, wiederholt mit dem Jugendamt in Verbindung gesetzt haben will.

– Es w├╝rden auch keine Aktenvermerke dar├╝ber vor liegen, in denen er sich ├╝ber die Wohnunterkunft auf dem Campingplatz beschwert habe.

“Alle weiteren Aspekte, die der Kindsvater nicht selbst ├Âffentlich gemacht, unterliegen dem Sozialdatenschutz und k├Ânnen daher nicht in der ├ľffentlichkeit er├Ârtert werden.
Aufgrund des sich aus den v. g. Punkten ergebenden Gesamteindrucks, wonach sich ein ernstgemeintes Interesse an dem Kind und v├Ąterliche F├╝rsorge nur schwer erkennen lassen, sowie des fehlenden Umgangs- bzw. Sorgerechts wurde hier keine Veranlassung gesehen, ihm Ausk├╝nfte zu erteilen. Nachdem der Kindsvater Anfang Februar 2019 mit dem Jugendamt in Kontakt getreten ist, gab es inzwischen mehrere Gespr├Ąche im Jugendamt, an denen er beteiligt wurde. Auch k├╝nftig soll die Zusammenarbeit mit ihm zum Wohle seines Kindes fortgesetzt werden.
Zur politischen Bewertung nimmt Landrat Tjark Bartels deutlich Stellung: ÔÇ×Von allen Beteiligten ist der Landkreis die einzige Beh├Ârde, die von Beginn an detailliert informiert und von sich aus Fehler benannt hat. Gleichzeitig sehen wir es als unsere Verantwortung an, Konzepte und L├Âsungen zu entwickeln, um Missbrauch viel fr├╝her zu entdecken und Kinder zu st├Ąrken und damit einen wichtigen Beitrag f├╝r alle mit Kinderschutz betrauter Arbeit liefern zu k├Ânnen. Eine intensive Projektarbeit haben wir bereits im Februar begonnen.ÔÇť
Wenig Verst├Ąndnis hat Bartels f├╝r den politischen Umgang mit diesem Fall. ÔÇ×Die unreflektierte Emp├Ârungsrhetorik wird weder der Sache gerecht noch hilft sie weiter! Die Trittbrettfahrer und Steinewerfer, die versuchen, politisches Kapital daraus zu schlagen, instrumentalisieren den Missbrauchsfall und sind aber selbst beim Thema Pr├Ąvention und Aufarbeitung nicht zu sehen auf weiter FlurÔÇť, erkl├Ąrt Bartels”, hei├čt es in der Stellungnahme des Landkreises.

Zum Hintergrund: Auf einem Campingplatz in Elbrinxen/L├╝gde sollen drei M├Ąnner ├╝ber Jahre hinweg zahlreiche Kinder sexuell schwer missbraucht haben. Nach derzeitigem Stand soll es 31 Opfer gegeben haben. Der bisher erste nachgewiesene Missbrauchsfall soll im Jahr 2008 stattgefunden haben. Die verd├Ąchtigen M├Ąnner sollen mehr als 1000 Einzeltaten begangen haben.

Bei dem hauptverd├Ąchtigen Mann, der auf dem Campingplatz in L├╝gde wohnt, hat ein M├Ądchen gelebt, f├╝r das das Jugendamt Hameln-Pyrmont zust├Ąndig ist. Auch an ihr sollen sich die M├Ąnner immer wieder vergangen haben. Der Hauptverd├Ąchtige sitzt seit Dezember in Untersuchungshaft.

(red/lbr)