FĂŒr viele Windenergieanlagen (WEA) kommt das Ende schon vor der geplanten Laufzeit von 20 bis 25 Jahren. In Hehlen brannte am Samstag, 18. Januar, der Motorraum eines Windrades aus. Das Gerippe ist ein Fall fĂŒr den SondermĂŒll.

6000facher SondermĂŒll

Der Landkreis Hameln-Pyrmont gehört mit einer GrĂ¶ĂŸe von knapp 800 Quadratkilometern und einer Einwohnerzahl von rund 150.000 zu den dichter besiedelten Kreisen in Niedersachsen. Im Kreisgebiet produzieren 71 WindrĂ€der umweltfreundlichen Strom und werden durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gefördert. FĂŒnf davon fallen in diesem Jahr aus der Förderung raus, aber bundesweit gesehen betrifft das etwa 6000 von den installierten 30000 Anlagen. SpĂ€testens mit ihrem Laufzeitende kommt die Entsorgungsfrage. Stahl, Beton und Kupfer können gut zurĂŒckgebaut werden, wie aber sieht es mit Verbundstoffen aus?

Gefahr durch Mikrofasern

WĂ€hrend WindradflĂŒgel aus Glasfaser relativ gut und kostengĂŒnstig recycelt werden können, sind RotorblĂ€tter aus Kohlenstofffasern nur schwierig und teuer zu entsorgen. Wegen seines Kohlenstoffgehaltes lĂ€sst sich KarbonfaserverstĂ€rkter Kunststoff (CFK) weder deponieren noch in herkömmlichen MĂŒllverbrennungsanlagen verbrennen. Dabei ist das Material  extrem strapazierfĂ€hig, bestens formbar und leichter als Stahl. Eingesetzt werden CFK in Autos, SportgerĂ€ten, Flugzeugen und beim Windradbau. In der Herstellung wird die Kohlenstofffaser durch Weben und Backen extrem fest und stabil. Wird diese Verbindung zerstört, wie bei BrĂ€nden mit Temperaturen ĂŒber 650 Grad, können die „fiesen Fasern“ ĂŒber die Atmung tief in die Lunge eindringen und Krankheiten verursachen. Auf Gesundheitsgefahren weist auch Carbon-Deutschland in seinen Schutzhinweisen zur Verarbeitung von Kohlenstoff-Materialien hin: „Splitter sind scharf und sehr gefĂ€hrlich, der entstehende Carbon-Staub ist gesundheitsschĂ€dlich und kann zu schweren Verletzungen fĂŒhren.“

Ein Windrad brennt

Die drei WindrĂ€der im Hehlener Ortsteil Hohe stehen still, im mittleren wĂŒtete das Feuer. Die Untersuchungen zur Brandursache laufen, vermutet wird ein technischer Defekt. WĂ€hrend des Brandes warnt die Feuerwehr die Anwohner, die Fenster geschlossen zu halten. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, betont der zustĂ€ndige Landkreis Holzminden. Bei der abgebrannten Anlage vom Typ Gamesa G80 sind laut Herstellerangaben nicht lungengĂ€ngige  Glasfasern verbaut. FĂŒr SchadensfĂ€lle an Windanlagen wie BrĂ€nde oder Umknicken fĂŒhrt der Bundesverband WindEnergie kein Register. Etwa zehn VorfĂ€lle pro Jahr, schĂ€tzt der Pressesprecher auf Anfrage. Die hĂ€ufigsten Unfallursachen seien BlitzeinschlĂ€ge, in deren Folge es zu MaterialschĂ€den oder BrĂ€nden kommen kann.

RĂŒckbau oder Recycling?

Nach dem Aus fĂŒr ein Windrad bleiben den Betreibern, Energiekonzernen oder privaten Investoren, drei Möglichkeiten: RĂŒckbau, Repowering oder Recycling. Auch wenn in der Branche noch heftig ĂŒber die Kostenverteilung fĂŒr das ZurĂŒckbauen von WindrĂ€dern gestritten wird, ist die Gesetzeslage zumindest im Landkreis Hameln-Pyrmont eindeutig. Den RĂŒckbau bezahlt der Betreiber mit seinen schon im Bauantrag verankerten RĂŒckstellungen. Ob diese Einlagen heute noch ausreichen und wie die zu erwartende Menge Windanlagenschrott entsorgt oder recycelt wird, ist unklar. Denn fĂŒr Sonderstoffe wie CFK  gibt es nur wenige Fachfirmen in Deutschland. Nach dem Repowering-Prinzip können Altanlagen auch durch leistungsstĂ€rkere und effizientere Neuanlagen am gleichen Standort ersetzt werden, wenn es die Rahmenbedingungen und AbstĂ€nde zulassen.

Das sagen unsere Leser auf Facebook zum Windrad-Brand:

Sebastian K.i: „Kraftwerke können nun mal brennen. Die Frage ist, was ist gefĂ€hrlicher? Da habe ich persönlich doch lieber ein brennendes Windkraftwerk, als ein brennendes AKW. GesundheitsschĂ€dlich ist am Ende aber jedes Feuer. Kritisieren die Windkraftgegner denn auch Tönsmeier und Co.? Wenn deren MĂŒllberge mal wieder brennen?“

Lars U.: „Es sollten doch alle ihre elektronischen GerĂ€te abgeben, die hier jetzt gegen Windkraft wettern. Atom will keiner, Solar auch nicht, da die „Parks” ja das „Bild” zerstören, Kohle will auch niemand wegen CO2-Ausstoß, Windkraft will hier ja auch niemand, Windkraft im Meer will auch niemand, SĂŒdlink-Trasse ist auch nicht erwĂŒnscht. Oh entschuldige bitte, ich vergaß, Strom kommt ja aus der Steckdose.“

Martin H.: „Tja, so viel zu sicherer Energie und Energieversorgung. Dann gehen wohl die Lichter frĂŒher aus als gedacht! Wenn dann die ganzen Autos an den Ladestationen hĂ€ngen und dann der Strom fĂŒr die HĂ€user fehlt.”

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