Monokulturen sind nicht zukunftsfÀhig

Von Gabriele Laube

Groß Berkel. Die Zahlen erschrecken: 72 Prozent der gesamten WaldflĂ€che in Deutschland ist geschĂ€digt, zwei Prozent bereits abgestorben. Um auch zukĂŒnftig die WĂ€lder nutzen zu können, mĂŒssen jetzt Maßnahmen ergriffen werden. Ein einheimischer Förster schlĂ€gt Alarm.

NatĂŒrlicher Schutzzaun
Das Experiment mit dem natĂŒrlichen Schutzzaun. Wild kommt hier nicht durch. Foto: Laube

Mit einer großen Portion Idealismus

Frank Heepe aus LĂŒgde ist zustĂ€ndig fĂŒr die Revierförsterei Schierholz, die zum Forstamt Oldendorf gehört. Seit Herbst 2004 herrscht der 56-JĂ€hrige ĂŒber ein 1500 Hektar großes Waldgebiet des Riepens, das sich neben zwölf großen Waldbesitzern, die Interessentenforste Groß Berkel und Klein Berkel teilen. Heepe ist Förster in dritter Generation und Idealist. Sonst könnte er seinen Job nicht machen, sagt er, denn die Hege ist stressig geworden.

Fraßbild eines BorkenkĂ€fers
Fraßbild eines BorkenkĂ€fers. Foto: Laube

Sturm und BorkenkÀfer bilden eine unheilvolle Allianz

ZĂŒgig wachsend und genutzt als Bauholz ist die Fichte eine begehrte Baumsorte. Im Weserbergland stellen Fichten etwa 20 bis 30 Prozent aller BĂ€ume dar, doch sind diese zu ĂŒber 90 Prozent bereits tot, der Rest kĂ€mpft ums Überleben. „Was die Heuschrecke in Afrika, sind die BorkenkĂ€fer in Deutschland“, vergleicht Heepe. Denn seit einigen Jahren setzen drei Generationen SchĂ€dlinge pro Jahr den Nadelhölzern zu. Dazu kommen von 2017 bis heute diverse StĂŒrme und lange Trockenheitsphasen.

„Der Wald im Weserbergland war noch nie so bedroht in seiner Existenz wie jetzt“

Von den ursprĂŒnglichen 300 bis 400 Hektar Fichten in seinem Revier, ĂŒberschlĂ€gt der Förster, seien aktuell noch etwa 50 bis 80 vorhanden, die Tendenz gehe Richtung „Null“. Die Hauptbaumarten in unserer Region aber sind zu 40 bis 50 Prozent Buchen, so schĂ€tzt der Revierleiter, sie sind seit ĂŒber 2000 Jahren hier heimisch. Er beobachtet besorgt, dass Ă€ltere Buchen vermehrt abgestorbene Kronen aufweisen. Es könnte die nĂ€chste Baumart sein, die verschwindet.

Tote BĂ€ume bleiben stehen

Linksseitig des Kammweges von Groß Berkel her kommend stehen nicht verwertbare Fichtengerippe auf privatem Grund. Daneben liegt ein Areal junger Birkenschösslinge, die wie gepflanzt wirken, aber ungewollt ausgetrieben sind. Die privaten Waldbesitzer haben existenzielle Nöte, weil es kaum Erlöse gibt fĂŒr das Totholz, berichtet der Förster. Der Export nach Asien ist durch das Corona-Virus zusammengebrochen und die FlĂ€chen mĂŒssen fĂŒr Neuanpflanzungen erst teuer gerĂ€umt werden.

Die Hoffnung auf dem Riepen

Der Riepenwald wirkt löchrig, immens viele kaputte BĂ€ume mussten entfernt werden. Doch ein Bereich leuchtet auch aktuell satt grĂŒn: Die ein Hektar große Oase der vor 50 Jahren angepflanzten Douglasien. Die gesunden BĂ€ume stammen ursprĂŒnglich aus dem Nordwesten Amerikas und gelten als HoffnungstrĂ€ger fĂŒr den zukĂŒnftigen Wald. Ihr harzreiches Holz ist resistent gegenĂŒber BorkenkĂ€fern und Trockenheitsphasen ĂŒberstehen sie gut. Doch es gibt noch mehr.

Junge Douglasie
Eine zweijĂ€hrige Douglasie am Bambusstock, etwa 30 cm groß. Foto: Laube

Der Wald der Zukunft wird sehr viel bunter als jetzt

Der Revierchef prĂ€sentiert eine große FreiflĂ€che des Interessentenforstes Groß Berkel. GerĂ€umt vom  Harvester und eingefasst durch einen mindestens 1,5 Meter hohen Zaun aus abgestorbenen Fichten, Ästen und Gehölz. Vorteilhaft: Die natĂŒrliche Barriere schĂŒtzt die jungen BĂ€ume vor Wildverbiss und das Totholz muss nicht aufwĂ€ndig entsorgt werden, freut sich Förster Heepe. Innerhalb seiner Grenzen wachsen seit ihrer Pflanzung im Dezember rund 6000 Eichen, 3000 Buchen, 1500 Roteichen und 2000 Douglasien.

Streng getrennt nach Baumart, weil BĂ€ume sich untereinander intolerant verhalten. Eichen beispielsweise wachsen in jungen Jahren schnell und spĂ€ter langsam, sie dĂŒrfen nicht mit BĂ€umen zusammenstehen, die ihr das Licht nehmen. Drei Arten haben Zukunft: Trauben-, Rot- und Stileiche. Als Nadelhölzer kommen Douglasie, europĂ€ische LĂ€rche, KĂŒstentanne und Weißtanne in Frage. Weitere Baumarten könnten sein Schwarznuss, Esskastanie, die tĂŒrkische Baumhasel oder Rubinie. Derezit ist es durch die vielen Aufforstungen allerdings schwierig geworden, BaumschĂ¶ĂŸlinge zu bekommen, denn der Markt ist leergefegt.